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 Perry Rhodan
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ES
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ES ist der Beherrscher des Kunstplaneten Wanderer und identisch mit jenem Unsterblichen, den Crest suchte, als er im Jahr 1971 auf dem irdischen Mond notlandete. Der Kunstplanet Wanderer gleicht verblüffend jenen mittelalterlichen Vorstellungen der Bewohner der Erde von ihrem Planeten - die Welt ist kreisrund, flach und von einer Kuppel überspannt. Die Kontinente auf der 8.000 Kilometer durchmessenden Konstruktion beherbergen menschenfreundliches Klima, können aber ganz nach den Wünschen von ES und seinen Besuchern angepasst werden. Sie verändern sich außerdem ständig. Das Magnetfeld, mit dessen Hilfe eine normale Orientierung an Himmelsrichtungen möglich wird, entsteht als Nebenwirkung des Energieschirms der Kunstwelt.

Wanderer zählt noch in der Neuzeit zu den bekanntesten interstellaren Mythen der Milchstraße. Die Welt des Ewigen Lebens ist ein Wunschtraum, nach dem unter anderem auch die Arkoniden strebten. Die Kunstwelt umkreist in einer ellipsoiden Bahn fast 30 Sonnensysteme, die auf einer nahezu geraden Linie liegen. Zwei davon bilden die Brennpunkte der Bahn: Das Wega- und das Sol-System. Die Umlaufzeit beträgt etwa zwei Millionen Jahre. Unerwünschten Besuchern ist Wanderer nicht zugänglich, da es sich in diesen Fällen auf einer anderen Zeitebene verbirgt. Im 21. Jahrhundert öffnet die Kunstwelt ihren Energieschirm nur noch, wenn Perry Rhodans Individualschwingungen per Telepathieverstärker abgestrahlt werden - oder wenn er selbst erscheint. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde nach einigen Vorfällen eingerichtet, mit denen sich einige Terraner die Unsterblichkeit zu erzwingen versuchten.

Am Ende des 20. Jahrhunderts findet sich Wanderer 1.602,18 Lichtjahre von Sol, 1.600 Lichtjahre von Wega und 1.750,5 Lichtjahre vom System Beta-Albireo entfernt. Im Jahr 2042 überspringt Wanderer jedoch eine Strecke von neuneinhalb Lichtjahren. Diese Strecke hätte der Kunstplanet normalerweise erst innerhalb von 18.000 Jahren zurückgelegt. Zustande kam dieser Effekt durch einen unfreiwilligen Ausflug ins Universum der Druuf.

ES ist kein Mensch, überhaupt kein organisches Lebewesen. ES besaß möglicherweise einmal einen Körper, bis ES im Laufe der Jahrmillionen müde wurde, sich mit diesem lästigen Anhängsel noch weiterhin zu belasten. So wurde aus dem ehemaligen Etwas einfach ein ES. ES ist eine in sich verwobene Gesamtheit, ein psychisch lebendes, überdimensioniertes Gemeinschaftswesen aus vielen Milliarden Einzelpsychen. Ein ganzes Volk hat seine Stofflichkeit aufgegeben, um nur noch in geistiger Form zu existieren. Es handelt sich um ein gewolltes Aufgeben der Körperlichkeit nach einem unsagbar langen Leben, das ein Organismus in seiner rein stofflichen Form wahrscheinlich doch nicht mehr länger ausgehalten hätte.

Seinen selbstgewählten Beinamen "Zeitloser" besitzt ES durchaus zu recht, denn aus dem naturgemäß beschränkten Blickwinkel normaler Lebensformen muss es erscheinen, als könne ES nach Belieben mit Raum und Zeit jonglieren.

Bei den Rittern der Tiefe ist ES als etwas exzentrische SI bekannt.

Wanderer-Beta

Als die Terraner Mitte November 3441 den Hilferufen ES nachgehen, stoßen sie auf eine weitere Kunstwelt, die sie Wanderer-Beta nennen. Die Kunstwelt gleicht im wesentlichen dem Original.

Zur Mächtigkeitsballung ES gehören folgende Galaxien:

Geschichte der Superintelligenz ES (oder zumindest Fragmente davon)

Die durch ihre Entstehung noch geschwächte Entität ES, die zu diesem Zeitpunkt noch unterhalb des Status einer Superintelligenz liegt, begibt sich auf Wanderschaft.

Im Jahr 17.756.360 vor Christus erreicht sie die Sterneninsel Ammandul. Dort lässt sie sich, angelockt von einem "sechsdimensional funkelnden Juwel", auf dem dritten Planeten (der späteren Erde) einer gelben Sonne nieder. Zwischen 15 und 14 Millionen Jahre vor Christus stoßen die Vojariden auf die Insel der Schmetterlinge, die Talanis genannt wird, erhalten dadurch Kontakt zu der Entität ES. Eben diese Vojariden fungieren später als Geburtshelfer der Superintelligenz ES, wobei sie selbst zu den Nokturnen werden.

Aus einer Hälfte des Planeten Ambur wird der Sitz der Superintelligenz, die andere Hälfte dient zur Versetzung in die Milchstraße. Zum gleichen Zeitpunkt entstehen die Zeittafeln von Amringhar, die der Chronist von ES verwaltet.

Fünf Millionen Jahre nach dem Schritt zur Superintelligenz kontaktiert ein Heliote ES auf seinem Sitz Ambur-Karbush. Wenig später trennt sich ES von seiner Schwester ESTARTU.

Vor ca. 7 Mio. Jahren

ES kämpft gegen die negative SI STROWWAN. Die Milchstraße wird dabei von den Strowwanischen Scharen überfallen. [PRK-2136] Nachdem die junge SI im Kampf gegen STROWWAN, als "Schmetterling gegen Drache", den Sieg davontrug, nahm ein Heliote Kontakt mit ES auf, um für ein THOREGON zu werben [PR-2182, Seite 51]. (Anmerkung: Der Widerspruch zur Kontaktierung durch den Helioten wird noch geklärt.)

Zitat PRK-2187, von Rainer Castor:

"Der Kosmokrat Tiryk setzte den Sorgoren Carfesch in der Stadt Ambur-Karbush auf Ambur ab, dem Sitz der Superintelligenz ES. Mit Hilfe eines Memorings justierte Carfesch die beiden Zellaktivatoren, die die Kosmokraten ES anvertraut hatten, auf die Individualdaten zweier Personen aus der Mächtigkeitsballung der Superintelligenz, die dieser bei der Stabilisierung ihres Machtbereichs helfen sollten. Der Sorgore erklärte der skeptischen Superintelligenz, dass Individuen mit solchen Fähigkeiten im Wächterorden der Ritter der Tiefe vereinigt waren. Anschließend nahm ES den Boten der Kosmokraten in sich auf."

Zitat Ende

3433

Nach langer Zeit meldet sich die Superintelligenz am 01.03.3433 wieder bei Perry Rhodan. Die telepathische Nachricht an Rhodan lautet, Zitat: "Es ist doch nicht so einfach, zwanzig Jahrtausende zu überleben." Eine weitere Botschaft mit sinngemäß gleichem Inhalt lässt ES dem Terraner am 15.03.3433 zukommen [PR-419].

Am 21.04.3433 zeigt sich die Superintelligenz gegenüber Perry Rhodan als alter Mann mit weißem Bart. ES gibt den Hinweis, dass Gucky nicht der letzte Ilt im Universum ist [PR-420].

3441

Der Unsterbliche kontaktiert Atlan am 14.07.3441 in Gestalt eines alten Mannes. Er teilt dem Arkoniden mit, dass die Bewohner der Milchstraße sich gegen den Schwarm allein helfen müssen. ES kann und darf es nach seiner Aussage nicht.

Nachdem die auf den Planeten der Milchstraße zurückgelassenen Pilzraumschiffe eine Feinjustierung an der abgesenkten Gravitationskonstante vornehmen, gerät ES in Gefahr. Nun wirkt sich die verdummende Wirkung selbst auf die Superintelligenz aus. Mutanten der GOOD HOPE II empfangen am 14.11.3441 verwirrte Hilferufe des Unsterblichen.

Dank des Eingreifens eines Einsatzteams der GOOD HOPE II kann Wanderer-Beta nun jederzeit in den Linearraum versetzt werden, wenn dessen Ortungsgeräte eine Veränderung von 132,6583 Millikalup anmessen. (Anmerkung: ES bestätigt, dass er wegen eines Rechenfehlers zuvor die Milchstraße zu früh verließ, bzw. zu früh zurückkehrte. Grund seiner vorherigen Flucht war nicht das Erwachen des Suprahets, sondern der zurückkehrende Schwarm.)

ES nutzte die durch das erneute Drehen GOURDELS entstandene markierte Bahn, um Erde und Mond gezielt in den Mahlstrom zu versetzen.

1290 NGZ

Die Superintelligenz sorgt dafür, dass Mondra Diamond von PR schwanger wird.

1291- 1312 NGZ

Zusammen mit anderen SI ist ES im PULS vom DaGlausch-Thoregon gefangen, um diesen zu stabilisieren.

1312 NGZ

Nach dem Ende der Thoregon-Handlung muss sich ES für lange Zeit um andere Teile ihrer Mächtigkeitsballung kümmern - so die Aussage Cairols Ende Mai 1312 NGZ - (Anmerkung: Handelt es sich hierbei um Hangay?). Die Superintelligenz kann daher in der näheren und mittleren Zukunft nicht mehr zu Gunsten der Terraner eingreifen [PR-2199]. ES war ein Doppelagent im Spiel der Hohen Mächte. Den Thoregon-Komplex nahm der Uralte von Wanderer wieder zum Anlass, die Terraner einer weiteren Prüfung zu unterziehen. Der Untergang THOREGONS beweist, dass die Terraner der gestellten Aufgabe gewachsen waren. Trotzdem bleibt weiterhin verborgen, auf welchen Weg die Superintelligenz die Terraner führen will [PR-2199, Seite 10].

1331 NGZ

Lotho Kereate sagt im September 1331 NGZ aus, dass er seit dem Untergang THOREGONS bisher noch nichts von seinem Herrn gehört hat [PR-2203].

Geschichte eines Geisteswesens (von Daniel Winkler; Anmerkung: Diese Geschichte hat nichts mit der Entstehung von ES zu tun):

Im TB-137 begegnet Ernst Ellert einem Geisteswesen, das sich ebenfalls als ES bezeichnet. Aus der Handlung geht nicht einwandfrei hervor, ob es sich tatsächlich um den Unsterblichen von Wanderer in einer frühen Form handelte, trotzdem soll die Geschichte dieses Wesens hier dargestellt werden:

Vor vielen Millionen Jahren war dieser heute fast unbevölkerte Sektor des Universums (die Rede ist vom Rand unseres Universums, über 27 Milliarden Lichtjahre von der Milchstraße entfernt) eine Ansammlung bewohnter Planeten mit weit fortgeschrittenen Zivilisationen. Schreckliche Kriege tobten zwischen den verschiedenen Einflußbereichen, bis es weder Sieger noch Besiegte gab. Die zweitausend beteiligten Planeten schlossen sich zu einer Konföderation zusammen, deren erklärtes Ziel es war, sich vom übrigen Teil des Universums zu isolieren. Eine Expedition wurde auch zum inneren Kern des Universums geschickt. (Anmerkung: In TB-137 ist von mehreren Expeditionen die Rede, doch ist nur diese eine näher beschrieben.) Zu diesem Zweck konstruierten Wissenschaftler und Gelehrte einen neuen Antrieb, mit dem man von Stern zu Stern ebenso springen konnte, wie von Galaxis zu Galaxis. Schon der erste Test war erfolgreich, und so drang die Expedition in Galaxien vor, die noch niemand vor ihnen gesehen hatte. Die Geschwindigkeit dieser Galaxien lag weit unterhalb der Lichtgrenze, während die eigenen Welten der Heimatgalaxis sich schneller bewegten. Derart geringe Geschwindigkeiten waren den Wissenschaftlern bislang nur aus den Relationen der einzelnen Planeten untereinander bekannt. Man vermutete rasch eine gewisse Zeitverschiebung zwischen den eigenen Völkern und den Welten in Richtung des Zentrums des Universums. Von Bedeutung konnte dies aber eigentlich nicht sein, denn niemand glaubte ernsthaft daran, daß im Kern des Universums überhaupt Leben existieren könnte. Dort mochten Sekunden vergehen, während es hier am Rand Stunden waren - oder umgekehrt.

Man vermutete auf den Welten der Zentrumsgalaxien Sterilität, doch es wurde tatsächlich Leben gefunden. Zum Mittelpunkt des Universums hin wurden gewaltige Sternreiche entdeckt, den eigenen nicht unähnlich. Sie waren aber alle viel jünger, und das Leben auf ihren Planeten war ganz von der Materie abhängig. Das Geistige spielte nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn der Intellekt gut ausgebildet war. Auch junge Welten wurden entdeckt, auf denen das Leben gerade erst entstanden war. Auf manchen wurde die Besatzung des Expeditionsschiffes gleich Göttern empfangen, auf anderen wurde sie angegriffen. Und auf einigen Welten flohen die Bewohner vor den Ankömmlingen.

Im Verlauf der ganzen Reise hatte die Besatzung des Expeditionsschiffes keinen Kontakt zu ihrer Heimatwelt - zu gewaltig waren die Entfernungen. Und sie verloren auch jeden Kontakt zur relativen Gegenwart, was sich später als verhängnisvoll herausstellen sollte. Der neue Antrieb versetzte die Besatzung in eine Art Rausch; Entfernungen spielten keine Rolle mehr, man konnte jeden Punkt des Universums aufsuchen. Die Chronometer an Bord gaben zwar das scheinbare Vergehen der Zeit an, doch es war unmöglich, diesen technischen Vorgang zu kontrollieren, denn jede Welt, die sie fanden, befand sich in einem anderen Stadium der Entwicklung. Je mehr sie sich dem Zentrum des Universums näherten, je dichter die Galaxien standen, desto jünger waren die dort existierenden Welten. Damit wurde die Vermutung der Wissenschaftler bestätigt, daß sich das Universum wie ein Ballon nach allen Seiten ausdehnt und die außenstehenden die ältesten sind. Und nun wußte man auch mit Sicherheit, daß die eigene Heimatgalaxis vom Rand des Universums mit unvorstellbarer Geschwindigkeit weiter in das Nichts rast. Das nächste Forschungsziel sollte daher dieses Nichts sein. Doch zunächst wollte man in die Heimat zurückkehren und Bericht erstatten. Fünf Jahre nach dem Start der Expedition (gerechnet nach der Bordzeit) gab der Kommandant den Befehl zum Rückflug.

Um der Mannschaft etwas Erholung zu gönnen, landeten sie auf einem Urplaneten, der von riesigen Geschöpfen bevölkert war. Die Männer gingen auf die Jagd, während der Kommandant das Logbuch vervollständigte. Zehn Planeten umkreisten eine fast weiße Sonne, und einer der Planeten bot ein einmaliges Schauspiel, wie man es bis dahin noch nie gesehen hatte - er war von silbernen Ringen umgeben. Viel später, als Ernst Ellert und ES auf dem Planeten der Dreibeiner zusammentrafen, identifizierte Ellert dieses Sonnensystem anhand der Daten im Navigationscomputer eindeutig als das Sol-System. Der Planet, auf dem das Expeditionsschiff landete, dürfte die Erde gewesen sein - zu einer Zeit, als die Dinosaurier den Planeten beherrschten.

In der Heimat der Expedition wurden inzwischen weitere Fortschritte erzielt. Man entdeckte, daß die Galaxien jenseits der Grenze des Universums dabei sind, sich aufzulösen. Sonnen werden zur Nova, ihre Planeten verwandeln sich in energetische Gaswolken. Das intelligente Leben dort hat diese Entwicklung vermutlich mitgemacht und kann in diesem Energieinferno existieren, so wie ein körperliches Wesen nur auf einer materiell vorhandenen Welt existieren kann. Doch von der ausgeschickten Expedition wurde nichts mehr gehört, und weitere Schiffe wurden nicht ausgeschickt. Im Laufe der Zeit kam es zu einer völligen Umwandlung des Denkens und des Handelns. Ihre Supertechnik benutzten die Völker nun nicht mehr dazu, Raumflotten und Waffen herzustellen, sondern den Geist zu fördern. Das Bewußtsein war alles, der Körper wurde vernachlässigt. Ein Heer von Robotern sorgte für die Erhaltung des materiellen Lebens, während das Bewußtsein sich immer mehr der Meditation widmete. Und so konnte es nicht ausbleiben, daß eines Tages niemand mehr geboren wurde. Damit schien das Ende besiegelt zu sein.

Zu einer Umkehr war es zu spät, aber zum Glück besaß man die Technik und hervorragende Wissenschaftler. Die Bewußtseinsinhalte der Bewohner von mehr als zweitausend Planeten wurden gesammelt, in einen energetischen Umwandler transferiert und so vereinigt. Das Ergebnis war ein intelligenter Energiekoloß, der unsterblich geworden war. Das Ergebnis war ES - die Verkörperung von vielleicht hundert Milliarden Lebewesen. Eine logische Entwicklung, denn jede Intelligenz des Universums wird sich eines Tages entstofflichen, um nur noch in der Form reiner Energie weiterzuexistieren - einer Energie, die denken kann. Der Körper ist nur eine Übergangsform.

Die Körper der Bewohner der 2.000 Planeten lebten weiter, doch sie fielen in die Primitivität zurück und starben schließlich aus. Deshalb gibt es in diesem Sektor des Universums fast keine von intelligenten Lebensformen bewohnten Planeten mehr, als Ernst Ellert ihn erreicht. Die einzige Ausnahme ist das Volk der Dreibeiner.

(Anmerkung: Leider wird in TB-137 nicht darauf eingegangen, weshalb die Körper ohne ihre Bewußtseine weiterexistieren konnten.)

Das Expeditionsschiff aber trat inzwischen tatsächlich den Rückweg an. Es sprang von Galaxis zu Galaxis immer weiter in heimatliche Regionen. Freude und Stolz erfüllte die Besatzung, wenn sie an den Empfang dachten, der ihnen nach dieser erfolgreichen Expedition zuteil werden würde. Als sie die kosmische Lichtgrenze durchbrachen, registrierte der Kommandant einen sekundenlangen Ausfall sämtlicher Instrumente. Ehe er Gegenmaßnahmen einleiten konnte, lief alles wieder normal, und man machte sich keine weiteren Gedanken über den Vorfall.

Als das Schiff dann jedoch die heimatliche Galaxis erreichte und seine Rückkehr über Funk ankündigte, erhielt die Besatzung keine Antwort. Überhaupt blieb es im Empfänger so stumm, als gäbe es in den vielen tausend bewohnten Sonnensystemen kein Leben mehr. Der Kommandant vermutete sofort einen Ausfall der entsprechenden Geräte, aber eine genaue Überprüfung ergab, daß sie fehlerfrei arbeiteten. Weder er noch seine Spezialisten fanden eine Erklärung.

Da es Vorschrift war, innerhalb einer Galaxis nur mit dem normalen Sternantrieb zu fliegen, näherte sich das Schiff relativ langsam dem eigenen Sonnensystem und endlich stand der Planet groß und deutlich vor der Besatzung auf den Schirmen. Und jetzt traf sie die Erkenntnis dessen, was geschehen sein mußte, wie ein tödlicher Schlag - ihre Welt war entvölkert. Es gab keine Spur von Leben mehr, und nun begriff der Kommandant auch, warum keine Funknachrichten empfangen wurden. Das Verblüffende war aber, daß sie auch keine Nachrichten von anderen Planeten erhielten. Es schien, als sei die ganze Galaxis plötzlich ausgestorben, und verstört ordnete der Kommandant die Landung auf der verlassenen Heimatwelt an.

Der Raumhafen stellte sich als ein einziger Schiffsfriedhof dar. Da lagen oder standen die einst so stolzen Riesen, von Rost zerfressen und von Pflanzen überwuchert. Nur mit Mühe fand er Platz, und nur zögernd verließ die Besatzung das Schiff. Metallurgen bestätigten wenig später, daß die Schiffswracks schon seit Jahrtausenden ungewartet der Witterung ausgesetzt waren. Die Untersuchung der Ruinen, die unter dem Vegetationsteppich gefunden wurden, ergab das gleiche Resultat.

Damit stellte die Besatzung des Expeditionsschiffes die letzten Überlebenden ihres Volkes dar. Eine Erklärung der Vorgänge schien nicht möglich; eine Seuche konnte nicht verantwortlich sein, denn es gab schon lange keine Krankheiten mehr. Außerdem wären befreundete Sternenreiche dem Volk zu Hilfe gekommen. Nur allmählich drang die Tatsache in das Bewußtsein der Besatzung, daß zwischen Start und Landung nicht etwas mehr als fünf Jahre vergangen waren, sondern Jahrtausende - und das eigene Volk inzwischen einer Katastrophe zum Opfer gefallen zu sein schien. Der Kommandant vermutete schließlich, daß bei dem kurzen Ausfall der Instrumente zwar die Distanz überwunden wurde, nicht aber die Zeit. Gleiter wurden ausgeschleust und kleinere Expeditionen organisiert, um die Ursache der scheinbaren Katastrophe herauszufinden. Doch es wurde keine Spur von Leben entdeckt, und auch kein Hinweis auf den Grund des plötzlichen Verschwindens einer ganzen Rasse. Die Tiere hatten sich rasch vermehrt, die Pflanzen die Herrschaft über den Planeten angetreten und alles überwuchert.

Nach diesen erfolglosen Expeditionen beschloß der Kommandant eine Welt zu suchen, die von intelligenten Wesen bewohnt ist; die Vorräte des Schiffes mußten erneuert werden, und vielleicht konnte man bei anderen Völkern Hinweise auf das Schicksal des eigenen erhalten. Einige Tage später verließen sie das Sonnensystem und steuerten das benachbarte an, mit dessen drei bewohnten Planeten schon lange freundschaftliche Verbindungen bestanden. Doch aus den drei mit Städten und dichten Verkehrsnetzen überzogenen Planeten waren Urwelten geworden. Auch hier gab es kein intelligentes Leben mehr. Die Vegetation hatte die Herrschaft übernommen.

Die Besatzung hielt sich nicht lange auf und startete nach einer kurzen Untersuchung wieder. Im Umkreis von wenigen Lichtjahren gab es dutzende bewohnter Sonnensysteme, die überprüft werden mußten, obwohl keine Funkverbindung zustande kam. Sie wollten sichergehen, ehe sie den Entschluß faßten, auf eigene Faust in das Nichts jenseits des Randes vorzustoßen. Vielleicht würden sie intelligentes Leben finden, das ihrem ähnelte. Dort könnten sie Hilfe bekommen. Aber auf allen ehemals von intelligentem Leben beherrschten Welten fanden sie die gleiche Situation vor. Die gesamte Galaxis schien ausgestorben, soweit es den Intellekt betraf. Die Besatzung erlitt einen Schock - sie waren plötzlich allein.

An Bord des Expeditionsschiffes befanden sich noch Lebensmittelvorräte für etwas mehr als zwei Jahre, als die Besatzung sich endgültig entschloß, die heimatliche Galaxis zu verlassen. Sie überquerten den Rand des Universums und stellten zehn Galaxien fest, die nun vor ihnen lagen. Ihre Entfernung voneinander war ungeheuer groß, aber mit ihrem Antrieb würden sie auch diese Distanzen überwinden können. Dabei war es der Besatzung längst gleichgültig, wieviel Zeit dabei außerhalb des Schiffes vergehen mochte. Doch die Bordzeit spielte eine nicht unwesentliche Rolle; während die frühen Vorfahren noch von Pflanzen und Tieren lebten, brauchten sie synthetische Nahrung, oder sie würden sterben. Naturprodukte konnte ihr Organismus nicht mehr verarbeiten.

Die Entfernung zur nächsten Galaxis war so groß, daß die Techniker rieten, eine Zwischenstation einzulegen, damit die Maschinen sich erholen konnten. So machten sie im Leerraum Pause und trieben im Nichts dahin, vor ihnen nur die wenigen Lichtpünktchen der fernen Welteninseln. Hier muß es auch gewesen sein, wo abermals eine Zeitverschiebung stattfand. Der Kommandant nannte es einen kosmischen Temporalsturm. Eine Erklärung gab es nicht dafür. Es stand aber fest, daß das Schiff wieder einen Zeitsprung über Jahrtausende machte, vielleicht sogar Jahrmillionen. Denn als sie ihr Ziel, die jenseits des Universumsrandes gelegene Galaxis erreichten, befand sich diese gerade im Anfangsstadium ihrer Entstehung. Man hatte gehofft, Superzivilisationen zu entdecken, doch man fand nur Energie, die sich erst in fernster Zukunft in Materie verwandeln würde.

Grellweiße Sonnen wirbelten um ein imaginäres Zentrum, ihre Planeten waren noch nicht entstanden. Hier nach Leben zu suchen, wäre verrückt gewesen. Das Leben würde erst in vielen Millionen Jahren entstehen, vielleicht auch erst in Milliarden. Trotzdem entschlossen sie sich zu einem zweiten Versuch. In drei Etappen legten sie die Entfernung zu einer weiteren Galaxis zurück und fanden das gleiche Ergebnis vor. Nun entschlossen sie sich zur Umkehr. Ihre Nahrungsmittel reichten noch für etwas mehr als ein Jahr und der Antrieb war nicht mehr ganz in Ordnung. Zehnmal mußte eine Zwischenstation eingelegt werden, um endlich die heimatliche Galaxis wieder zu erreichen. Von nun an flogen sie mit normalem Sternenantrieb weiter, das erschien ihnen sicherer.

Um einen Anhaltspunkt zu erhalten, wieviel Zeit inzwischen verstrichen war, suchten sie zuerst ihren Heimatplaneten auf. Was der Kommandant befürchtet hatte, bewahrheitete sich. Sie kannten ihre Welt nicht wieder. Die Oberflächengestaltung hatte sich stark verändert und die Kontinente waren merklich auseinandergerückt. Dort, wo früher Land war, rollten jetzt die Wogen neuer Ozeane. Alles war von dichter Flora bedeckt, und als sie ihren alten Raumhafen ansteuerten, fanden sie dort nichts mehr vor. Die Archäologen machten sich an die Arbeit und stellten fest, daß mindestens eine Million Jahre seit ihrer letzten Landung vergangen waren.

Daraufhin starteten sie bald wieder. Denn wenn wirklich so viel Zeit vergangen war, mußte es andere Welten geben, auf denen inzwischen Leben entstanden war. Wenn der Antrieb noch fehlerfrei gearbeitet hätte, wären sie sicher ins Innere des Universums zurückgeflogen, doch so mußten sie sich damit begnügen, in ihrer eigenen Galaxis nach Leben zu suchen. Als sie noch für ein halbes Jahr Nahrung besaßen, fanden sie den Planeten der Dreibeiner. Er war der einzige, auf dem halbwegs intelligentes Leben entstanden war, und es würde noch sehr lange dauern, bis die Dreibeiner eine Zivilisation entwickeln würden. Doch darauf konnten sie jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Sie mußten versuchen, selbst wenn sie in die Barbarei zurückfielen, und sich wieder daran gewöhnten, Fleisch und Pflanzen zu essen, den Rest ihrer Lebensspanne zu nutzen. Also landeten sie hoch im Gebirge und nahmen Kontakt zu den Eingeborenen auf.

Es dauerte lange, ehe eine Verständigung möglich wurde. Die Dreibeiner hielten die Besatzung für Götter, und die Besatzung ließ sie in diesem Glauben. Man brachte die Dreibeiner soweit, daß sie Opfer darboten. In regelmäßigen Abständen lieferten sie ihnen die Früchte ihrer Felder und erlegte Tiere. Die Expeditionsmitglieder überwanden ihre Abscheu und aßen diese Gaben. Einige wurden krank und starben, der Rest überlebte. Zu diesem Rest gehörte auch der Kommandant der Expedition.

Viele Jahre vergingen, und jeder fühlte das Alter und damit das Ende herannahen. Sie verließen die Welt nie mehr. Es mochte andere bewohnte Planeten geben, aber man hat sie nie gefunden. Die Besatzung fand sich damit ab, hier zu sterben, und der Kommandant führte das Logbuch bis zu seinem Ende. Gerade hatten die Dreibeiner entdeckt, daß man Steine als Wurfgeschosse benutzen kann, doch es würde wohl noch sehr lange dauern, bis man Kohle und Erz entdeckt. Die Besatzung griff nicht ein, denn die Entwicklung der Dreibeiner sollte eine natürliche bleiben.

Schließlich diktierte der Kommandant die letzten Aufzeichnungen. Nur drei Besatzungsmitglieder waren noch am Leben, aber auch sie würden bald sterben. Die Eingeborenen hatten das Feuer entdeckt und fühlten sich den Göttern ebenbürtig. Sie brachten kein Fleisch mehr, keine eßbaren Pflanzen. Sie ignorierten die Götter und kamen auch nicht mehr auf den Berg. Bald würde der Winter kommen, und der Schnee wird das Raumschiff bedecken. Wenn er schmilzt, werden die drei nicht mehr leben. Als der dritte Mann stirbt, bringen der Kommandant und der ehemalige Antriebstechniker ihn nach draußen und kehren nicht mehr in ihr Schiff zurück. Sie schließen die Luke, damit das Schiff unversehrt bleibt, denn es ist das einzig erhalten gebliebene Erbe ihres verschwundenen Volkes, dessen scheinbaren Untergang sie niemals enträtseln konnten.

Damit endet das Logbuch, das ES zusammen mit Ernst Ellert an Bord des Schiffes entdeckt. Der Kommandant des Expeditionsschiffes ist mit seinen Vermutungen der Wahrheit sehr nahe gekommen; die Welten in der von ihm besuchten Gegend verwandelten sich tatsächlich und kehrten zur energetischen Form zurück, aber die Besatzung konnte nicht ahnen, daß das intelligente Leben selbst energetische Form angenommen hatte. Zwischen diesen beiden Formen des Lebens ist ein Kontakt nicht möglich, wenn es nicht zu einer Vereinigung zu einem Gesamtbewußtsein kommt.

Das entstandene Wesen besitzt viele Namen, nannte sich selbst aber nur noch ES. Es darf diesen Sektor des Universums niemals verlassen, denn es muß warten, bis neues Leben entsteht - um ihm eine Seele, ein Bewußtsein zu geben. Seine Aufgabe ist es, eine Art göttlicher Funke zu sein. Würde er die Grenzen des materiellen Universums überschreiten und damit in die Zukunft vordringen, würde er die kontinuierliche Entwicklung überspringen. Irgendwann wird er eine neue Aufgabe erhalten, die er jetzt noch nicht kennt.

(Anmerkung: Wer ES verboten hat, diesen Sektor zu verlassen, und wer seine Aufgaben bestimmt, erläutert er in seinen Gesprächen mit Ernst Ellert nicht. Er verrät auch nicht, wer ihm verbietet, zu viel über sich und seine Aufgabe zu verraten.)

Raumflotte von ES

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 Quelle(n):  PR-419, 420, 503, 517, 2182, 2193, 2199, 2203; PRK-2136, 2185, 2187, Silberbände; PRTb-137
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© Crest-Datei - Autor(en): Daniel Winkler, Torsten Orth - Erstellt: 19.07.1999 - Letztes Update: 01.06.2008